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Projekte Ältere deutsche Literaturwissenschaft

UB Heidelberg cpg 341 Bl. 22r

Narrative Vermittlung religiösen Wissens Edition und Kommentierung geistlicher Vers- und Prosatexte des 13. bis 16. Jahrhunderts

2019

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

In umfangreichen Pergament- und Papier-Handschriften des 13. bis 16. Jahrhunderts ist eine bislang nur bedingt überschaute Menge an kleineren Erzähltexten sowohl „weltlicher“, novellistischer, als auch „geistlicher“ Art gesammelt und aufgeschrieben worden. Nach einem über acht Jahre von der DFG in zwei Arbeitsstellen in Köln und Tübingen geförderten Projekt, in dem die seit Jahrzehnten geforderte Edition und Kommentierung der deutschen, „weltlichen“ Versnovellistik des Mittelalters erfolgreich und fristgerecht abgeschlossen werden konnte (vgl. http://www.versnovellistik.uni-koeln.de/8149.html), ist nun einem Antrag stattgegeben worden, auch die oft in den gleichen Handschriften überlieferten kleineren „geistlichen“ Texte in einer kommentierten Edition vorzulegen. Dieses Projekt ist wiederum auf 8 Jahre mit Arbeitsstellen in Köln und Tübingen angelegt und trägt den Titel: „Narrative Vermittlung religiösen Wissens: Edition und Kommentierung geistlicher Vers- und Prosatexte des 13. bis 16. Jahrhunderts.“ Projektziel ist die Edition und Kommentierung deutscher, in Sammelhandschriften des 13. bis 16. Jahrhunderts überlieferter „geistlicher“ Vers- und Prosa-Erzählungen. Es handelt sich um insgesamt 179 Texte unterschiedlicher literarischer Typen und Sprechhaltungen, in denen religiöses Wissen narrativ, in etlichen Fällen auch diskursiv, nie aber einsinnig vermittelt wird. Vielmehr ermöglicht es gerade der Buch-Typus Sammelhandschrift in der flexiblen Zusammenstellung von geistlichen Texten, intrikate Probleme christlicher Religion zu formulieren und zu diskutieren. Mit der Edition und der Kommentierung der literarhistorisch allenfalls in einzelnen Beispielen, nie aber insgesamt gewürdigten und erforschten Texte soll eine bedeutsame Gruppe „populärer“ Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit erstmals Kontur(en) erhalten. Es ist diese noch kaum gesichtete Literatur gewesen, die unter den Bedingungen vormoderner Kommunikation mit dafür gesorgt hat, dass „die Reformatoren auf eine Laienschaft bauen konnten, die auf grundsätzliche Auseinandersetzungen über religiöse Fragen genügend vorbereitet und zu selbständigem Urteil befähigt war“ (Williams-Krapp). Im Projekt soll eine Edition erarbeitet werden, die als Buch, als e-book und als digitale open-Access-Edition verfügbar sein wird. Buch- und online-Ausgabe bieten den kritischen Text und dessen Übersetzung ins Englische, die Buchausgabe eine Auswahl der Überlieferungsvarianz und der Kommentierung, die Online Ausgabe die vollständige Überlieferungsvarianz sowie eine mehrschichtige, kriteriengeleitete Kommentierung. (Text: Hans-Joachim Ziegeler)

Homepage: Narrative Vermittlung religiösen Wissens

Projektleitung: Prof. Dr. Hans-Joachim Ziegeler (Universität zu Köln | IdSL 1) & Prof. Dr. Klaus Ridder (Universität Tübingen | Lehrstuhl für Deutsche Philologie / Mediävistik)

Narcissus, British Library, Royal 20 A XVII, fol. 14v

DFG Netzwerk VAS - Vor-Augen-Stellen

2016-2019

Das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk will eine Grammatik bildlicher Kommunikation erarbeiten und das jenseits der Dichotomie von Sprache und Bild. Es geht uns um ein gemeinsames Instrumentarium für anschauliche Darstellungen, die sich im Medium der Sprache und im Medium des Bildes finden. Dafür sollen die Verfahren des Vor-Augen-Stellens systematisch beschrieben und anhand von exemplarischen Studien der Netzwerkmitglieder veranschaulicht werden. Der Ansatz selbst ist durch die Tatsache geleitet, dass das Interesse am Bildlichen und Visuellen seit iconic und pictorial turn beständig gewachsen ist. Nicht nur interessieren alle Formen der Bilderzeugung; Sprache und Bild als vernetzte werden mittlerweile als Teil einer visuellen Kultur erforscht, so wie es in der germanistisch-mediävistischen Forschungstradition, der Beschreibung textueller Visualisierungsformen, der Text-Bild-Forschung und der Bedeutungsforschung, seit langem der Fall ist.

Das Netzwerk ist den modernen und mediävistischen Bildwissenschaften verbunden, setzt aber bei einem Punkt jenseits der Opposition von Text und Bild an. Sprache und Bild sind trotz ihrer medialen Differenz historisch weniger trennscharf gewesen. Zentrale sprachliche Verfahren der Anschaulichkeit wie Hypotyposis, Vergleich und metaphorische Rede zielen auf Konkretion mit dem Ziel, einen abwesenden Gegenstand so vor Augen zu stellen, dass er eindrücklich, klar und lebendig erscheint. Dies ist bildkünstlerischen Darstellungen ganz vergleichbar, gerade auch, weil der referentielle Bezug hinter die Evidenz des Augenscheinlichen zurücktritt. Für das Netzwerk gilt daher grundsätzlich, dass jede Form der Evidenzerzeugung auch Bedeutungsübertragung ist, insofern sich etwas zeigt, das etwas Abwesendes bezeichnet. Sprachliches und bildkünstlerisches Vor-Augen-Stellen verlebendigt und zeigt etwas Abwesendes zugleich. Die referentiellen Bezüge werden von der Evidenz des In-Erscheinung-Getretenen wirksam verborgen. Wir können hier konkret an zwei rezente Projekt anschließen, an das seit 2013 existierende Berliner Projekt BildEvidenz und die seit 1998 laufende Münsteraner Arbeitsstelle für Christliche Bildtheologie, die das religiöse Bild auf seine historischen und erkenntnistheoretischen Prämissen in der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Wort und Bild untersucht. 

Neben den Verfahren des Vor-Augen-Stellens geht es uns um die interaktiven Dimensionen der Bedeutungskonstitution, um die Verweiszusammenhänge zwischen konventionellem Wissen, innermedial umgesetztem Wissen und Vor-Augen-Stehendem, um die Wechselwirkungen zwischen seiner Bedeutung im medialen Kontext und um die Wirkungsweisen im jeweiligen Gebrauchszusammenhang der Medien.

Homepage: VAS

Projektleitung: PD Dr. Franziska Wenzel

Geisteswissenschaften in der Welt / Studium Integrale

2015-2017

Im Rahmen der Neuorganisation des Wissensbereichs (universitas) des Studium Integrale wird eine interdisziplinäre Vermittlung von Themen und Methoden unterschiedlicher  Fachwissenschaften für fachfremde Hörer_innen aller Fakultäten angestrebt. Die speziell entwickelten Lehrveranstaltungen (Clustervorlesungen) präsentieren unter dem Label „WeiterDenken“ Einblicke in die vielfältigen Gegenstandsbereiche geisteswissenschaftlicher Forschung. An der Philosophischen Fakultät wird so ein Angebot des Studium Integrale entwickelt, das für andere Fakultäten impulsgebend fungieren soll.

Mehr zum Projektfortschritt.

Projektleitung: Prof. Dr. Monika Schausten

Reform als Textstrategie. Untersuchungen zum literarischen Oeuvre des Johannes Meyer O.P.

2014-2017

gefördert von der DFG

Das Projekt hat eine umfassende literaturwissenschaftliche Erschließung der deutschen und lateinischen Schriften des Dominikanerobservanten und Ordenschronisten Johannes Meyer (1422/23-1485) mit texttypologischem, narratologischem, funktions- und diskurshistorischem Zugriff zum Ziel. Untersucht werden fünf überlieferungsgeschichtlich fundierte Textkomplexe (1. ,Buch der Ämter‘, ,Buch der Ersetzung‘; 2. ,Buch der Reformacio Predigerordens‘; 3. ,Vitas fratrum‘, ,Papst-‘ und ,Kaiserchronik‘; 4. Schwesternbücher-Redaktionen; 5. Lateinische Schriften: ,Chronica brevis‘, ,Liber de illustribus viris‘), mit denen das monastische Schrifttum Johannes Meyers repräsentativ und nahezu vollständig erfasst ist. Angestrebt wird eine Einordnung des gewichtigen Œuvres nicht allein unter ordens- und kulturgeschichtlicher Perspektive, sondern vor allem mit Blick auf seine Positionierung im Kontext der spätmittelalterlichen ,Frömmigkeitstheologie‘ sowie hinsichtlich seines originären Beitrags für die deutsche Literatur des 15. Jahrhunderts. Damit wird ein weithin vernachlässigtes Textcorpus in die Mitte und in die ihm zustehende Aufmerksamkeit einer wissenschaftlichen Diskussion zur geistlichen Literatur des 15. Jahrhunderts gerückt, das nicht zuletzt für das Verständnis des Verhältnisses von Reformund Reformationweiterführende Impulse und Akzente zu setzen verspricht.

Projektleitung: Dr. Christian Seebald