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Projekte Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Poetik der Miszelle

Zur Koevolution von periodischer Presse und modernem Roman

DFG-Forschungsgruppe 2288: „Journalliteratur: Formatbedingungen, Visuelles Design, Rezeptionskulturen“, 10/2016-2019

Das Teilprojekt plant, die Zusammenhänge zu untersuchen, die zwischen der Ästhetik der Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts und Publikationsformen der periodischen Presse der Zeit bestehen. Dabei soll gefragt werden, welche Auswirkungen die Veröffentlichung von Zeitschriftentexten in Fortsetzungen, ihre Zugehörigkeit zu unterschiedlichen thematischen und textsortenspezifischen Serien sowie ihre Plazierung im Kontext unterschiedlicher Wissensdiskurse auf die Erzählstruktur fiktionaler Texte gehabt haben. Die Ausgangsvermutung ist, daß die zunehmende Präsenz von Zeitungen und Zeitschriften auf dem Massenbuchmarkt des 19. Jahrhunderts Rezeptionserwartungen ausgebildet hat, die die Übernahme bestimmter Aspekte von Zeitschriftenpublikationen (z.B. Fortsetzungsstrukturen, Aktualitätsbezug oder Interdiskursivität) in die Gestaltung von Romanen und Erzählungen zur Folge hatten. Dabei wird aber nicht davon ausgegangen, daß die Erzähl- und Romanliteratur passiv und reflexartig auf Formen der Zeitschriftenkommunikation reagiert, sondern daß beide – periodische Presse und Romanpoetik – sich wechselseitig beeinflussen, so daß man von einem Rückkopplungseffekt oder einer Koevolution sprechen kann.

Die Rekonstruktion dieser Koevolution orientiert sich am Begriff der »Miszelle«, die als offene, ›vermischte‹ und seriell angelegte Textsorte den heuristischen Ausgangspunkt für diejenigen Strukturelemente von Zeitschriftenpubikationen bilden soll, die im Zuge der Projektarbeit terminologisch weiter zu differenzieren sein werden. Methodisch wird das Teilprojekt von exemplarischen Erzähltexten ausgehen, die in Zeitschriften veröffentlicht wurden und diese auf ihre Wechselbezüge mit den medien-, diskurs- und gattungsspezifischen Implikationen ihres Publikationsrahmens untersuchen. In Kooperation mit weiteren Teilprojekten der Forschergruppe stehen dabei v.a. Strukturen der Serialisierung, Reflexionen auf das Journalformat sowie die Programmierung spezifischer Rezeptionshaltungen im Fokus. In einem zweiten Schritt soll dann das textuelle Umfeld der exemplarischen Erzähltexte in den jeweiligen Zeitschriften erschlossen werden, so daß neben die kanonischen Ausgangstexte ein Vergleichskorpus bislang unbekannter Zeitschriftenliteratur tritt. Auf diese Weise plant das Teilprojekt auch, herkömmlichen Rubrizierungen der Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts eine medienhistorisch informierte Alternative entgegenzustellen.

Das Teilprojekt leistet auf diese Weise sowohl einen Beitrag zur Ästhetik von Journalliteratur als auch zur medienhistorischen Revision von Kanonisierungsprozessen, ermöglicht anhand der Pointierung serieller und interdiskursiver Strukturelemente der Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts aber auch eine Verlängerung der Fragestellung ins 20. Jahrhundert bzw. bis hin zur Medienästhetik unserer Gegenwart. 

Projektleitung: Dr. Daniela Gretz und Prof. Dr. Nicolas Pethes
Projektmitarbeiter: Dr. Marcus Krause

Morphomata:

Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen

gefördert vom Bildungsministerium für Bildung und Forschung

Das „Internationale Kolleg Morphomata: Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Initiative „Freiraum für die Geisteswissenschaften“ als eines der neuen Käte Hamburger Kollegs gefördert (Förderkennzeichen 01UK0905). Jährlich bis zu 10 Fellows aus aller Welt forschen gemeinsam mit Kölner Wissenschaftlern zu Fragen kulturellen Wandels.

Im Dialog mit internationalen Wissenschaftlern gibt das Kolleg geisteswissenschaftlicher Forschung einen neuen Ort – ein Denklabor, in dem unterschiedliche disziplinäre und kulturelle Perspektiven verhandelt werden. Die Fellows bereichern das Lehrangebot der Universität durch öffentliche Vorlesungen, Tagungen und Publikationsbeiträge. Neben der internationalen Vernetzung wird eine enge Verzahnung mit kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen und regionalen Medien angestrebt. Ausstellungen und Veranstaltungsreihen sollen Aushängeschild universitärer Öffnung sein.

Direktorium: Prof. Dr. Günter Blamberger, Prof. Dr. Dietrich Boschung (Klassische Archäologie)

Geschäftsführung: Dr. Martin Roussel, Frank Wascheck, M.A.

Homepage: http://www.ik-morphomata.uni-koeln.de/startseite.html