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Figurationen des Todes

 

Wie helfen Kunst und Literatur die tiefste Verunsicherung menschlicher Existenz zu bewältigen: das Bewußtsein der Sterblichkeit des Menschen, von der die Sinngebung des irdischen Daseins ebenso abhängt wie der Entwurf von irdischen wie jenseitigen Heilsvorstellungen? Das ist die Ausgangsfrage der Sektion 'Figurationen des Todes' innerhalb des Kölner Wissenschaftskollegs Morphomata. Fellows aus unterschiedlichen Kulturen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen versuchen sie in Fallstudien zu beantworten, in der Analyse kultureller Artefakte und der hier im Zusammenspiel von gestaltgebendem Bewußtsein und gestatlbildendem Material ausgeprägten ästhetischen Ideen, deren Wirkmacht, was das Verständnis einer Kultur betrifft, nicht geringer einzuschätzen ist als die von Vernunftideen. Die Artefakte der Literatur, der Kunst, des Films sind seit jeher eine Pforte zum Anderen, Unberechenbaren, Unmessbaren. In säkularisierten Gesellschaften, in denen die Theologie ihre Geltungsmacht eingebüßt hat, erfahren selbst populäre Medien neuerdings einen Bedeutungszuwachs, insofern von ihnen die Beantwortung traditionell religiöser Fragen erwartet wird. Das sichert noch trivialen TV-Serien wie 'Vampire Diaries', 'Ghost Wisperer', 'Crossing Jordan' oder 'Six feet under' ihren globalen Erfolg. Wie ist der Tod nach dem 'Tode Gottes' zu denken und darzustellen? Das sind Fragen, die die Forschungsklasse ins Gespräch mit den Fellows von Morphomata führen soll.

Lektüre-Empfehlung für die erste Sitzung:

Günter Blamberger: Gestaltgebung und ästhetische Idee. Morphomatische Skizzen zu Figurationen des Todes und des Schöpferischen. In: Morphomata. Kulturelle Figurationen: Genese, Dynamik und Medialität. Hg. von Günter Blamberger und Dietrich Boschung. München: Fink, 2011, S. 11-46.

Der Text ist auch als Datei beziehbar, über die Mitbetreuer der Forschungsklasse bei Morphomata, Dr. Jan Söffner

(jsoeffn0@uni-koeln.de) bzw.

Christine Thewes (christine.thewes(at)uni-koeln.de).

Hinweise auf in die Forschungsklasse integrierte Veranstaltungen:

In die Forschungsklasse integriert ist die Ringvorlesung ‚Figurationen des Todes und der Herrschaft’ (Blamberger/Boschung, Programm siehe KLIPS SS 2013) sowie die Konferenz ‚Stimmungen des Todes und ihre Bestimmung – Ein Experiment’, die vom 11.-13.6. stattfinden wird, in Kooperation von Morphomata und ARTES. Die Konzeption stammt von Gerardo Scheige, Jan Söffner und Eva-Maria Tönnies. Hier ein Kurztext zur Information über diese Konferenz:

Angestoßen durch Hans Ulrich Gumbrechts Aufforderung, ‚Stimmungen‘ zu ‚lesen‘ und einer Vielzahl aktueller Forschungsprojekte, die eine Aufwertung nicht-intellektuellen Verstehens proklamieren, soll im Rahmen der Tagung die Frage nach den spezifischen Stimmungen des Todes verhandelt werden. Ausgangspunkt unseres Anliegens ist dabei die Beobachtung, dass die nuancierte Präzision und Spezifik einer „Erschlossenheit“ (Heidegger) von Stimmungen mit einer Vagheit und Unbestimmtheit einhergeht, sobald es daran geht, sie verbal zu benennen oder als Wissensgegenstand auf den Punkt zu bringen. Stimmungen, so präzise sie auch die Wahrnehmung von und das Handeln in Situationen orientieren können, werden im Versuch ihrer Diskursivierung meist ausgesprochen unscharf.

Entsprechend haben sich verschiedene Formen der Expertise im Umgang mit Stimmungen entwickelt, die u.E. epistemisch gleichwertig (und eventuell komplementär) nebeneinander stehen. Der wissenschaftlich-philosophischen Expertise, die sich Stimmungen im Rahmen eines analytischen oder beschreibenden Zugangs nähert, steht eine praktische Expertise gegenüber, die sich auf die präzise Evokation von Stimmungen und auf die Teilhabe an ihnen versteht (Friedhofsgärtner oder Veranstalter von Trauerfeiern etwa sind angehalten, spezifische Formen der Todesstimmung zu gestalten). Das Ineinander von äußerster geistiger Abstraktion und äußerster körperlicher Konkretion, das gewissermaßen ohne die Brücke der konkreten Anschaulichkeit auskommt, bildet die Grundlage unseres Ansatzes.

Ort und Zeit:

Die Veranstaltung findet alle zwei bis drei Wochen nach Vereinbarung am Montag, 16.00-17.30 Uhr, in der Bibliothek des Internationalen Kollegs Morphomata, Weyertal 59 (Rückgebäude III. Stock), vor der Ringvorlesung zu 'Figurationen des Todes und der Herrschaft' (im gleichen Gebäude von 17.45-19.15 Uhr) statt. Zudem gibt es Sondertermine für Konferenzen (siehe unten Addendum zum Kongress 'Stimmungen des Todes'). Neben dieser mit ARTES durchgeführten Konferenz sind weitere Morphomata-Konferenzen zum Thema besuchbar, außerdem wird es ein Treffen geben mit Doktoranden der Queen Mary University London, die in Köln über ihre Projekte zu 'Figurationen des Todes' berichten werden. Vereinbarung der Termine und Einführung in die Arbeitsweise der Forschungsklasse am ersten Termin: Montag, 8.4., 16.00-17.30 Uhr