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Forschungsklasse

Ästhetische Bildung in der Wissensgesellschaft

(Prof. Dr. Christof Hamann NDL/Fachdidaktik, Prof. Dr. Anja Lemke NDL)

In den aktuellen Debatten um die Transformation der Gesellschaft von einer Industrie- in eine globalisierte Wissensgesellschaft ist Bildung zu einem Schlüsselbegriff geworden, der ebenso zentral wie unbestimmt ist. Ziel der Forschungsklasse ist es, die Entwicklung des Bildungsbegriffs aus kulturwissenschaftlicher Perspektive zu analysieren und insbesondere nach der Wechselwirkung von Pädagogik und Literatur seit der Aufklärung zu fragen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass Literatur sowohl für gegenwärtige Theorien der Bildung als auch für deren Genese in zweierlei Hinsicht eine entscheidende Rolle spielt: Zum einen ist Literatur ein zentrales Medium im institutionalisierten Bildungsprozess von Schule, Universität und Beruf, auf der anderen Seite bildet die Pädagogik seit der Aufklärung ein zentrales Thema der Literatur und auch umgekehrt lässt sich beobachten, dass Erziehungs- und Bildungsmodelle in vielfacher Weise auf literarische Formen zurückgreifen. Dieser Verschränkung möchte die Forschungsklasse nachgehen.

Von zentraler Bedeutung ist dabei die Verknüpfung von Gegenwartsanalyse und historischer Dimension. Erst durch die Analyse der Genese des Bildungsbegriffs lässt sich die gegenwärtige Entwicklung der Wissensgesellschaft in ihrer kulturellen Dimension ermessen, können Kontinuitäten, subkutanes Weiterwirken sowie Verschiebungen und Brüche sichtbar gemacht werden. Es gilt, die Entstehung und Ausdifferenzierung des Diskursfeldes Erziehung, Pädagogik, Bildung und Wissen von der „Erfindung des Kindes“ im 18. Jh. bis zum gegenwärtigen Ideal lebenslangen Lernens und der kontinuierlichen „Arbeit am eigenen Selbst“ in seinen Wechselwirkungen mit dem Diskursfeld der Literatur (ästhetische Erziehung, theatrale Momente im Bildungsdiskurs, Rolle der Einbildungskraft, literarische Rollenmodelle für Kindheit, Lebenslauf etc.) zu untersuchen.

Hierzu sollen einschlägige Erziehungs- und Bildungsmodelle vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart im Seminar untersucht werden. Dabei sind zahlreiche Gastbeiträge von Wissenschaftlern aus den Literatur- und Erziehungswissenschaften geplant sowie abschließend vom 22.-24. Juli ein Workshop im Haus Villigst mit dem Schriftsteller Paul Ingendaay zu dessen zeitgenössischem Erziehungsroman „Warum Du mich verlassen hast“.

Die Forschungsklasse steht allen an aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen interessierten Studierenden offen. Interessenten werden gebeten, sich bis zum 1. März 2014 mit einem kurzen Motivationsschreiben an Pascaline Budow: pascaline.budow(at)uni-koeln.de zu wenden. Die Forschungsklasse findet immer Mi, 12.00-13.30 Uhr statt.