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Dinge, Gaben und Geld: Objekte mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur zwischen
Auratisierung und Ökonomisierung

Interdisziplinäre Forschungsklasse im WS 2014/15 (Mi, 10-11.30 Uhr S 75)
Prof. Dr. Udo Friedrich, Prof. Dr. Monika Schausten

Dinge spielen in der Literatur des deutschsprachigen Mittelalters seit ihrem Beginn eine immense Rolle. Im Rahmen einer Kultur der Sichtbarkeit konturieren Texte unterschiedlicher Provenienz die erzählten Gegenstände im Kontext politisch-sozialer, aber auch mythischer Diskurse. In diesem Kontext lassen die Texte vormoderner Literatur in ihren unterschiedlichen Gattungen verschiedene Konzepte des Gegenständlichen erkennen. Deren Spannbreite erstreckt sich über die Darstellung magischer, häufig auch mit einer eigenen Geschichte versehener Objekte, über die Inszenierung einer politisch-strategisch ausgerichteten Gaben- und Geldpolitik bis hin zur Schilderung von sozialen Konstellationen, in denen Menschen und Tiere als Dinge fungieren.

In interdisziplinärer Ausrichtung widmet sich die Forschungsklasse der Aufarbeitung und Analyse dieser Konzepte vormoderner Literatur aus kulturtheoretisch-ethnographischer, historischer und literaturwissenschaftlicher Perspektive. Auf der Grundlage einschlägiger theoretischer wie historischer Untersuchungen sollen im Forschungsseminar zunächst die ding- und ökonomiegeschichtlichen Voraussetzungen der mittelalterlichen Literatur erarbeitet werden. Sodann sollen am Beispiel zentraler Gattungen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Literatur die Techniken literarischer Dingevokationen sowie ihre diskurshistorischen Kontexte an Beispielen aus Heldenepik, Roman, Märe und Fastnachtspiel erarbeitet werden.

Folgende Schwerpunkte sind geplant:

1. Kulturtheoretische und historische Voraussetzungen literarischer Imaginationen von Ding und Tausch

2. Feudaladelige Tausch- und Geschenkepolitik im mittelalterlichen Heldenepos

3. Liebesgaben im höfischen Roman

4. Zur Signifikanz der Dinge im Märe

5. Geld in Texten der frühen Neuzeit

Die wöchentliche Forschungsklasse soll durch auswärtige Spezialisten, besonders der Ethnographie, Kulturtheorie und Geschichtswissenschaft unterstützt werden. Eingeladen werden sollen Karl-Heinz Kohl, Hartmut Böhme und Gert Althoff sowie aus dem Bereich der Germanistischen Mediävistik Heike Sahm und Margreth Egidi.

Die Forschungsklasse richtet sich an Studierende der Germanistik aus allen drei Abteilungen, der Geschichtswissenschaft und der Mittelalterstudien, die ein besonderes Interesse an interdisziplinären, forschungsorientierten Fragestellungen haben. Voraussetzung ist die Bereitschaft zu einem erhöhten Zeitaufwand sowie das Engagement, sich neben dem regulären Studium auf aktuelle, fächerübergreifende Forschungsfragen einzulassen. Damit soll die alte Idee der universitas von Studierenden und Lehrenden umgesetzt werden, bei der es weniger um den Erwerb von Credit-Points, als vielmehr um den Erwerb von neuen Erkenntnissen geht. (Dennoch ist selbstverständlich der Erwerb eines Scheins möglich).

Die Vergabe der Plätze (max. 30) erfolgt nicht über Klips. Stattdessen schicken Sie bitte ein kurzes Motivationsschreiben bis zum 15. September 2014 an einen der Lehrenden oder kommen Sie in eine Sprechstunde, wenn Sie teilnehmen möchten!

(schausten.monika(at)uni-koeln.de; ufriedri(at)uni-koeln.de)