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Habilitationsprojekt

„Die Rettung des Körpers. Semantiken und Narrative somatischer Erlösung im Spätmittelalter“

Mein Habilitationsprojekt beleuchtet narrative Konstellationen der Rettung in der deutschsprachigen Literatur vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit. Rettung ist zwar eine weit verbreitete Komponente vieler Erzähltexte, doch steht eine kritische Beschäftigung mit dieser noch aus. Ausgehend von postkolonialen Ideen zu einem prekären, misslingenden, hegemonialen und unerwünschten „saviorism“ sollen neben einer historischen, semantischen und theoretischen Einordnung von Rettung Texte unter die Lupe genommen werden, die komplexe Situationen einer Rettungsaktion entwerfen, in denen die Rettung des Körpers und die Erlösung der Seele nebeneinander im Text verhandelt werden. Die Arbeit soll anhand von Fallbeispielen zeigen, wie in Texten vom 13. bis zum 16. Jahrhundert gerade die immanente „Rettung des Körpers“ narrativ ausgestaltet wird und wie eine solche innerweltliche Rettung des Lebens mit Semantiken der jenseitigen Erlösung interferieren. Rettung ist damit ein ideales Fallbeispiel, um sich einem Grand Narrative der Säkularisierung kritisch zu nähern. Die historisch-semantisch, narratologisch und kulturwissenschaftlich ausgerichtete Arbeit kann somit Rettung als Phänomen erfassen, dass die historische Tiefe sozialer Asymmetrien und Handlungsoptionen beleuchtet. Das Habilitationsprojekt soll mit der Erschließung des Themas „Rettung“ im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit eine Lücke schließen, die in besonderem Maße in der Germanistik besteht und an Forschungen zu captivity narratives besonders in der anglistischen Forschung anschlussfähig ist.